Netzpolitik und E-Government

27.11.2014, 01:22 Uhr
 
Cyber-Kriminalität – die immer noch unterschätzte Gefahr

Es war ein Horrorszenario, was Hans-Wilhelm Dünn beim Forum Netzpolitik und E-Government im Charlottenburger Rathaus skizzierte. Die Bedrohung der IT-Systeme seien intensiv und allumfassend, sie träfen Wirtschaft, Staat und Privatpersonen gleichermaßen, betonte der Vizepräsident des „CyberSicherheitsrat Deutschland e.V.“, Dünnin seinem Referat. Deutschland sei weltweit „Angriffsziel Nummer 1“, aber dennoch werde die Gefahr nach wie vor von großen Teilen der Wirtschaft, der Politik und der Gesellschaft nicht ausreichend ernst genommen.

Dabei seien fast Dreiviertel der deutschen Unternehmen Angriffen von kriminellen Hackern, von Geheimdiensten und von Konkurrenzfirmen ausgesetzt. Alleine die Deutsche Telekom erlebe eine Million Attacken auf ihr Netz – Tag für Tag. Was ist der Überfall auf eine Bank gegen den Angriff auf deren Software? In den USA hat man es ausgerechnet: 900 Millionen Dollar Schaden entstanden durch Überfälle, 12 Milliarden Dollar durch eingeschleuste Schadsysteme in einem Jahr.

Staatliche Systeme sind alle zwei Sekunden neuen Angriffen ausgesetzt und mehr als jeder Dritte Nutzer sei  von Angriffen auf seine Daten bedroht. Da geht es längst nicht mehr nur um das Abfischen von Bank-Daten. Es werden Existenzen durch gezielte Mobbing-Aktionen vernichtet, zum Beispiel durch das Aufspielen von kinderpornografischen Inhalten und auch die organisierte Kriminalität hat ihre Erpresser-Methoden seit langem digitalisiert, einfach indem ganze Firmen lahm gelegt werden, wenn sie kein Lösegeld zahlen.

Doch der Horror ist sogar noch steigerungsfähig. Welchen Schutz gibt es gegen Kriminelle, die Stadtwerke, Krankenhäuser, Versorgungseinrichtungen und Leitstellen lahm legen wollen? In Deutschlands Cyber-Abwehr-Zentrum arbeiten gerade mal zwölf Leute. Innenminister Thomas de Maizière will deshalb die IT-Infrastruktur der Bundesrepublik sicherer machen. Deutschland solle das führende Land in der Cyberabwehr werden. Dazu gehöre auch die Meldepflicht für Unternehmen, die Cyber-AngriffeerleidenDoch das kann dauern - Dünn rechnet mit einem erstenkonkreten Gesetz dazu im Jahr 2019.

Was aber kann der Einzelne tun, um seine Daten zu sichern? Einen hundertprozentigen Schutz, meinte Hans-Wilhelm Dünn, gäbe es natürlich nicht. Aber es sei schon etwas erreicht, wenn es gelänge, die Gesellschaft insgesamt (von Kindesbeinen an) stärker für das Problem zu sensibilisieren.  Dazu gehöre beispielsweise die AufforderungVerschlüsseleln Sie Daten mit Passwörtern, die aus Zahlen,  Sonderzeichen, Groß- und Kleinbuchstaben bestehen und nicht sofort mit Ihrer Person (Geburtstagsdaten) identifiziert werden können. Öffnen Sie keine E-Mail-Anhänge von unbekannten Absendern, achten Sie auf Layout-Veränderungen etwa bei  Banken und schlagen Sie sofort Alarm, wenn die Seite eine Wiederholung ihres Passwortes verlangt.

Vorsicht beim Herunterladen von Apps und kostenloser Software. Hans-Wilhelm Dünn: Kostenlose Virenschutzprogrammen können durchaus  das Einfallstor für Schadprogramme sein.“  Solche Geschenke können teuer werden: „Seien Sie misstrauischbei allem, was nichts kostet. Kein Dienst ist umsonst und keine App wirklich gratis.“ Daten seien die Währung des 21. Jahrhunderts.

Der Cyber-Sicherheitsrat Deutschland e.V. wurde im August 2012 gegründet. Der in Berlin sitzende Verein ist politisch neutral und soll Unternehmen, Behörden und poltische Entscheidungsträgerim Bereich Cyber-Sicherheit beraten und im Kampf gegen Cyber-Kriminalität stärken.

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