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13.04.2018, 13:58 Uhr
Politik am Abend: Herzlichen Glückwunsch zum 100-jährigen!
Finnland feiert 100 Jahre staatliche Unabhängigkeit von Russland
Am vergangenen Mittwochabend konnte ich den Gesandten der Botschaft Finnlands in Berlin, Dr. Antti Kaski, als Referenten im Café Wahlkreis begrüßen. Etwa 30 Gäste waren gekommen, um mit ihm zu diskutieren und mehr über die 100jährige Geschichte Finnlands und die Menschen dort zu erfahren:

Finnland ist mit 5,5 Millionen Einwohnern auf einer Fläche von 340.000 Quadratkilometern eines der am dünnsten besiedelten Länder Europas. (Zum Vergleich: Deutschland verfügt über eine Fläche von 360.000 Quadratkilometer und zählt 82,5 Mio. Einwohner.) Der Großteil der Bevölkerung lebt in den südlichen Regionen des Landes, wo sich neben der Hauptstadt Helsinki weitere größere Städte befinden. Zwar gibt es in Finnland zwei Amtssprachen, Finnisch und Schwedisch, jedoch wird mit 88,7% weitestgehend Finnisch gesprochen.
In seiner Geschichte stand Finnland meist unter fremder Herrschaft. Bis 1809 gehörte es zu Schweden. Danach wurde es dem aufstrebenden Russischen Kaiserreich als autonomes Großfürstentum Finnland zugeordnet. Erst im Jahre 1917 konnte Finnland seine Unabhängigkeit erreichen. 1995 wurde es Mitglied der EU und trat 1999 der Eurozone bei.

Finnland geht es wirtschaftlich wie gesellschaftlich gut. Viele Studien und Statistiken weisen für das skandinavische Land sehr gute Ergebnisse aus. Die Korruptionsrate ist extrem niedrig; die wirtschaftliche Situation ist stabil, und innerhalb der EU ist die Lebensqualität sehr hoch. Bewundernswert sind auch die Ergebnisse im World Happiness Report, nach dem die finnische Bevölkerungen zu den glücklichsten der Welt gehört. Auch hinsichtlich der Schulbildung ist Finnland gut aufgestellt, wie die jährliche PISA-Studie zeigt. Gerade dieses Thema war für die Gäste besonders interessant und wurde lebhaft diskutiert.

Heftig diskutiert wurden auch Vor- und Nachteile eines bedingungslosen Grundeinkommens. Die finnische Regierung ist dazu aktiv geworden und hat 2017 das Projekt „Bedingungsloses Grundeinkommen“ gestartet. Dazu wurden 2000 Personen, die zu diesem Zeitpunkt arbeitslos waren, nach dem Zufallsprinzip ausgewählt. Sie erhalten ein Grundeinkommen von 560 Euro monatlich, welches die meisten bis dahin gezahlten sozialen Leistungen ersetzt. Dieser Betrag mag gering erscheinen, die Empfänger können jedoch ohne Abzüge dazuverdienen. Nicht nur in Finnland ist man sich bewusst, das dieses Experiment sowohl positive als auch negative Entwicklungsmöglichkeiten birgt. Die finnische Regierung erwartet, dass das bedingungslose Grundeinkommen die meisten Empfänger motivieren wird, nebenbei Arbeiten zu gehen. Ob ein bedingungsloses Einkommen jedoch eher die Passivität fördert, wird sich Ende 2018 zeigen. Dann nämlich läuft das Projekt aus und es wird sich feststellen lassen, ob dieses System dauerhaft bestehen kann.