Neuigkeiten

25.07.2018, 17:13 Uhr | nane
Henner Bunde: „Das ICC verfolgt mich.“

Seitdem Henner Bunde politisch aktiv ist, hat er – in verschiedenen Funktionen - mit dem ICC zu tun. Der CDU-Staatssekretär bei Wirtschaftssenatorin Ramona Pop/Grüne erläuterte im Bürgerbüro Andreas Statzkowski, welche Schritte für einen Neuanfang beim Internationalen Congress Centrum (ICC) geplant sind. Kurz nach dem Vortrag von Henner Bunde hat Ramona Pop über das weitere Vorgehen entschieden. Sie will Investoren für das ICC suchen und stellt dafür 4,5 Millionen Euro zur Verfügung.

Henner Bunde, Andreas Statzkowski und Hamid Djadda

Den interessierten Gästen im Bürgerbüro Andreas Statzkowski erklärte Henner Bunde gleich zu Beginn seines Vortrages: „Ein Abriss des ICC ist nicht geplant.“ Er erntete Zustimmung, denn eines der bedeutendsten Gebäude der Nachkriegszeit soll wieder funktionieren und nicht verschwinden, so die Meinung vieler Zuhörer. Warum das ICC aber schon mehreren Senatoren ziemliche Sorgen bereitete, fasste Bunde nochmals kurz zusammen. Die veraltete Technik lässt keinen Betrieb auf Dauer zu. Mit den 80 Sälen und Räumen für 20 – 200 Personen ist keine gute Wirtschaftlichkeit gegeben. Schadstoffe belasten das Gebäude, auch wenn es sich um wenig Asbest und nicht um den asbesthaltigeren Spritzasbest handelt. „Also ist eine Sanierung Grundlage für den Weiterbau“, erläutert Henner Bunde.

Die bisherigen Überlegungen zum ICC waren:

  • Abriss Oberkante Keller und Neubau – Nachteil: logistisch sehr schwierig.
  • Stilllegung – Nachteil: es entstehen Kosten von zwei Millionen Euro/Jahr für Lüftung, Heizung im Winter, Reinigung der Alufassade (allein schon 500.000 Euro) etc.
  • Sanierung, entweder durch privates Kapital oder durch den Landeshaushalt

Kein Shoppingcenter im ICC

Was aus dem ICC werden könnte, wurde ebenfalls angesprochen – aber fest steht eher, was nicht dorthin soll. Es wird kein Shoppingcenter geben. Zum einen sind die Wilmersdorfer Arcaden nicht weit weg, zum anderen sehen das natürlich die Geschäftsinhaber von Reichs- und Kantstraße kritisch.

Auch kam zur Sprache, weshalb das ICC über Jahre so verrotten konnte, weshalb es keine regelmäßigen Investitionen gab und ob die Messegesellschaft den Verfall vielleicht mitzuverantworten habe?

Henner Bunde: „Die Fragen kann man stellen, im Allgemeinen sieht das eventuell auch so aus, aber für eine permanente Modernisierung war in vorhergehenden Sparzwang-Zeiten kein Geld da.“ 

ICC darf nicht Symbol des Scheiterns werden

Die Messe Berlin ist allerdings bisher auch nicht aktiv geworden, um eventuell das ICC zu übernehmen. Die Begründung lautete laut Henner Bunde, dass die Raumkonfiguration keine Wirtschaftlichkeit zulasse.

Dem widersprach Unternehmer und Gründer Hamid Djadda, der in Neukölln erfolgreich eine Marzipanfabrik betreibt und gerade die AVUS-Tribüne saniert. „Gute Unternehmer können Gewinne machen.“ Allerdings schränkte er auch ein, dass die Gegebenheiten stimmen müssen. Und Vertrauen zwischen den Beteiligten herrschen muss. Gleichzeitig warnte er: „Das ICC darf nicht zum Symbol des Scheiterns werden“ und erhielt dafür viel Zustimmung.

Andreas Statzkowski: Gute Umwegrentabilität

Andreas Statzkowski wies in der Diskussion darauf hin, dass es maßgeblich sei, die geplante Nutzungsfläche zu vergrößern. Aber es gebe zwei Aspekte zu berücksichtigen. „Will man das Ergebnis dann betriebswirtschaftlich oder volkswirtschaftlich beurteilen.“  Betriebswirtschaftlich werden schwarze Zahlen schwer zu erzielen sein. Volkswirtschaftlich sei das Ergebnis aber durchaus als gut einzustufen. „Denn pro Kongress mit 10.000 Teilnehmern wird ein Umsatz von 5,6 Millionen Euro in der Stadt erwirtschaftet.“ Das ist die sogenannte Umwegrentabilität, die nicht zu unterschätzen sei. Und er nannte noch das Beispiel Berlin-Marathon. „Bei 50.000 Läufern werden an dem Lauf-Wochenende - zu dem auch etliche Angehörige der Teilnehmer mitreisen - rund 60 Millionen Euro in Berlin und Brandenburg umgesetzt. Verbunden mit einem riesigen Imagegewinn.“

Informationsvorsprung für alle, die dabei waren

Henner Bunde berichtete, dass es nun die landeseigene Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM) durch ein sogenanntes Interessenbekundungsverfahren gezielt nach einem Investor suchen soll. Somit hatten die Zuhörer des Abends einen Informationsvorsprung – denn wenige Tage später gab Wirtschaftssenatorin Ramona Pop genau dies bekannt.

Nächste Termine

Weitere Termine