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30.07.2018, 10:38 Uhr | nane
Wo steht die CDU?

Was ist heutzutage noch konservativ?  Es ist ein spannendes Thema, das da im Bürgerbüro Andreas Statzkowski mit Dr. Andreas Nix von der Universität Potsdam diskutiert wird. Nicht immer leicht verdaulich aber mit Erkenntnissen, die nachdenklich stimmen.

Dr. Andreas Nix, der wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Politische Theorie an der Universität in Potsdam ist, definierte den Begriff Konservativismus mit dem Bezug auf traditionelle Werte, einem besonderen Geschichtsbewusstsein und einem positiven religiösen Bezug. Allerdings stellte er heraus, dass es sich nicht um eine feste Ideologie handelt - mit einem zentralen Vordenker wie etwa Karl Marx - sondern um ein Potpourris aus Werten und Traditionen.

Entstanden ist der Konservativismus 1789 als Reaktion auf die Französische Revolution. Er bedeutet bewahren und taucht immer dann auf, wenn Geschichte sich umschichtet. Konservativismus macht sich meist an folgenden Punkten fest:

  • Der Fortschritt wird kritisch betrachtet
  • Die Tradition wird reflektiert

Konservativ oft negativ besetzt

In der lebhaften Diskussion ging es dann um die Frage: Wo ist die CDU einzuordnen? Dr. Nix: „Die CDU war nie radikal, sie vereint sowohl Liberalismus und Konservativismus als auch einen christlichen Sozialismus. Sie hat jedoch einen Schwenk zur Mitte gemacht und konservatives Profil verloren.“  Den Politikstil von Bundeskanzlerin Angela Merkel nannte er „konservativ – Kritiker nennen es abwartendes Handeln.“

In der Runde wurde diskutiert, ob der Begriff „konservativ“ heute vor allem negativ besetzt sei. Dem widersprach Dr. Nix. Konservativismus habe ein Imageproblem, was vor allem dadurch deutlich werde, dass sich die überwiegende Mehrheit der jungen Leute von Natur aus als links bezeichne. Sie seien aber durchaus bereit, Traditionen zu achten und mit zunehmendem Alter ihre Ansichten zu modifizieren.

Strauß-Mantra gilt nicht mehr

Natürlich kam auch das Thema Konservativismus in den unterschiedlichen Parteien auf, z.B. wie groß ist zum Beispiel der Unterschied zwischen CDU und AfD in diesem Punkt?

Durch den Schwenk der CDU (Angela Merkel) in Richtung Mitte gab es – so Dr. Nix – Raum im rechten Spektrum. Das Mantra von Franz-Josef Strauß – „Rechts von der CSU darf es keine demokratisch legitimierte Partei geben“ – wurde von der Realität überholt. Allerdings hält Nix den „schrillen Rand „der AfD auch für überbewertet.

Ein großes Problem sei dagegen der Populismus der angeblichen Alternative für Deutschland. Wahlkampferprobte CDU-Mitglieder in der Runde berichteten, dass sie sich bei Diskussionen mit den Bürgern immer wieder mit populistischen Parolen auseinandersetzen müssen. Beispiele: „Die Parteien machen doch sowieso, was sie wollen.“  - „Die Politiker interessieren sich nicht für die kleinen Leute, denen geht es nur um die Macht.“ Dazu Dr. Nix: „Hier ist Populismus erkennbar.“ Es werde diffus von „denen da oben“ gesprochen. Populismus zeichne sich vor allem durch einen Hang zu unzulässigen Verallgemeinerungen und Verschwörungstheorien aus. „Und das macht eine Diskussion fast unmöglich“, so der Wissenschaftler.

Für Dr. Nix gibt es einen Konservativismus, der in den Rechtspopulismus überleitet – z. B. wenn es um den Islam geht. Die Frage, die wir uns dann stellen müssen ist: „Was bedeutet uns Christentum. Auf welcher Wertegrundlage diskutieren wir?“  

Ideologie-Allergie

Der liberal konservative Mensch betrachtet den Wandel der Gesellschaft eher skeptisch. Dr. Nix verdeutlicht es an einem Beispiel: „Ein Bein steht im Ist und im Alten – aber das andere versucht, sich vorwärts zu tasten.“

Nach der Frage aus dem Publikum „Wie man denn nun Konservativismus in einem Satz erklären könne“ kam auch die Antwort blitzschnell aus der Fragerunde: „Konservativismus ist eine Ideologie-Allergie“.