Frank Steffel: Spitzensport wird besser gefördert

Die Veränderungen im Spitzensport sind gravierend, denn zukünftig soll es bundesweit nur noch einen Olympiastützpunkt pro Sportart geben. Diese Konzentration des Leistungssports begeistert nicht alle Vereine. Vor interessiertem Publikum referierte Frank Steffel, MdB, im Bürgerbüro Andreas Statzkowski über die Spitzensport-Reform und die damit verbundenen Veränderungen im Leistungssport. Dabei machte er gleich zu Beginn deutlich, dass der Bund ausschließlich für den Spitzensport zuständig ist und für den Breitensport bedauerlicherweise nichts tun kann.

Immerhin hatte Frank Steffel, Obmann der CDU-Fraktion im Sportausschuss des Deutschen Bundestages, aber auch Positives zu berichten. Denn Spitzensport wird inzwischen weitaus besser gefördert als je zuvor. 2014 lagen die Zuschüsse bei 140 Millionen Euro, jetzt gibt es 235 Millionen Euro. „Eine der größten Steigerungen,“ berichtete Frank Steffel nicht ohne Stolz. Dies Geld fließt an den Deutschen Olympischen Sportbund, DOSB, und an die Fachverbände. Dort müssen dann die Mitteleinsätze nach den Vorgaben der Spitzensport-Reform optimiert werden.

Entscheidung für Spitzensport nicht immer leicht

Dies soll unter anderem durch Konzentration der Olympia-Stützpunkte geschehen. Pro Sportart soll es nur noch einen Stützpunkt geben. „Ich weiß, dass das ein Problem sein kann. Ein 15-jähriges Talent muss sich dann entscheiden, den Wohnort zu wechseln und eventuell zu einem weit entfernt liegenden Olympiastützpunkt umziehen, damit er seine Sportlaufbahn optimal fortsetzen kann. Und ich verstehe, dass der Verein nicht glücklich ist, sein Talent zu verlieren.“

Klassenarbeiten nach Spielplan

Die Konzentration einer Sportart an einem Ort ist aber die richtige Entscheidung. Frank Steffel nannte als Beispiel für eine gelungene Spitzensportförderung Handball-Nationalspieler Paul Drux. Der spielt heute für Steffels Verein Füchse Berlin Reinickendorf. Als 16Jähriger kam er 2011 aus Gummersbach nach Berlin.

„Klar, dass die Gummersbacher nicht gut auf uns zu sprechen waren. Aber bei uns in Hohenschönhausen wird der Sportler durch die Schule getragen. Hier gibt es Klassenarbeiten nach Spielplan – nicht umgekehrt“, erläuterte Frank Steffel wie Schule und Sport optimal zusammengehen können. Der Erfolg ist sichtbar. Paul Drux kam 2012/13 in die A-Mannschaft der Füchse, spielte in der Bundesliga und in der EHF Champions-League. Mit den Füchsen gewann er 2014 den DHB-Pokal sowie 2015 und 2018 den EHF-Pokal. Seit 2015 gehört er auch zum WM-Kader, holte 2016 bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro mit der Mannschaft die Bronzemedaille. Bei der Handball-WM 2019 in Deutschland wurde Pal Drux, Student der Wirtschaftsinformatik, mit dem DHB-Team Vierter.

Über Defizite reden

Neben diesem positiven Beispiel machte Frank Steffel aber auch klar, dass sich der Spitzensport weiterentwickeln muss, wenn er dauerhaft Interesse wecken will. „Wir müssen über unsere Defizite reden“, so seine deutliche Aussage.

Dazu gehört nach seiner Meinung auch, dass verhindert werden muss, dass weiterhin gute Trainer von anderen Nationen abgeworben werden – und zwar aufgrund schlechterer Bezahlung im eigenen Land. „Wir scheitern manchmal an 20.000 Euro – nicht, weil wir das Geld nicht haben. Nein, weil wir es dem Trainer nicht geben wollen,“ so seine Kritik. Also arbeiten ausgezeichnete deutsche Trainer in China.

Außerdem müssen die Aktiven während ihrer Karriere - aber auch danach - mehr Unterstützung bekommen. Anfänge sind gemacht. So gibt es inzwischen nochmals 100 Stellen mehr bei der Bundeswehr und beim Zoll. Auch die Freistellung für Trainingslager funktioniert gut. „Aber wenn der 28jährige Sportler dann nicht mehr zum A-Kader gehört, müssen wir uns auch um ihn kümmern,“ so Steffels Forderung. Beruflich darf niemand mit leeren Händen dastehen.

Nur wenige wollen sich für den Erfolg quälen

Gleichzeitig habe er festgestellt, dass sich immer weniger talentierte Menschen für den Spitzensport interessieren. Früher galt, dass man durch Sport etwas werden konnte. Heute mögen sich nur noch wenige so quälen, wie das nötig ist, um Spitzensport zu betreiben. Frank Steffel: „Für mich ist das ein Wohlstandsproblem.“  

Abhilfe könne man eventuell erreichen, wenn der jeweilige Sport nicht nur hin – und wieder in den Medien ist, sondern „die jeweilige Sportart auch TV-tauglich ist“, wie Steffel es forderte und so Helden in der Öffentlichkeit schafft.  Voraussetzung dafür sind zum einen gute Leistungen; zum anderen müssen Sport und Sportler heutzutage unbedingt PR-fähig sein. Als gutes Beispiel nannte der Präsident der Füchse Berlin Reinickendorf die Sportart Biathlon. Sie überbrückt im Winter die Fußball-Pause bestens, zusammen mit Ski alpin, Skispringen, Snowboard etc. „Die TV-Anstalten übertragen da am Wochenende zehn bis zwölf Stunden täglich, weil es Wettbewerbe gibt, die spannend sind, die der Zuschauer problemlos verfolgen kann. Hier müssen sich die Verbände über attraktive Wettkampfformate Gedanken machen.“

Vereinssport ist größtes Netzwerk in Deutschland

Trotz aller Kritik hat Steffel auch Aufmunterung für alle parat. „Wir dürfen nicht vergessen, dass es 27 Millionen Mitglieder in deutschen Sportvereinen gibt. Wir müssen uns jeden Tag bewusst machen, dass der Vereinssport das größte Netzwerk in Deutschland ist – und das müssen wir nutzen,“ so sein positiver Ausblick.

Deshalb engagiert sich sein Verein, Füchse Berlin Reinickendorf besonders für den Kinder- und Jugendsport. Neben Handball werden noch 25 andere Sportarten angeboten. Leider treten viele Aktive mit etwa 20 Jahren aber aufgrund anderer Interessen und Lebenssituationen aus Vereinen aus. Daher hat Frank Steffel ein klares Ziel formuliert. „Wir müssen uns anstrengen, diejenigen zu begeistern, die über 40 Jahre alt sind und etwas für sich tun wollen.“

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