Boxen in Berlin ist top

Andreas Statzkowski, Ulli Wegner, Frank Henkel, Hans-Peter Miesner (v.li.n.re.)   )
Andreas Statzkowski, Ulli Wegner, Frank Henkel, Hans-Peter Miesner (v.li.n.re.) )

„Bei Olympischen Spielen wird das Boxturnier vom ersten bis zum letzten Tag übertragen, da es als einzige Disziplin an allen Tagen Wettkämpfe hat.“ Damit stellte Hans-Peter Miesner, Präsident des Berliner Boxverbandes klar, wie er den Stellenwert dieser Sportart einschätzt. Und die Podiumsgäste beim Diskussionsabend im ausgebuchten Bürgerbüro Andreas Statzkowski unterstützen ihn. Den Amateurboxern in Berlin drohe kein K.O. waren sie sich einig - bei den Profis sieht es allerdings nicht rosig aus.

 

Und Ulli Wegner, Box-Trainerlegende, stellte gleich klar, dass es ihm ums Profiboxen generell ging – nicht um seine Person und sein Aus beim Sauerland-Stall in Berlin zum Jahresende.

Der Mann, der Sven Ottke, Markus Beyer, Arthur Abraham und Marco Huck zu Weltmeistern formte, sorgte sich um die jetzigen Boxer. „Wir haben Talente, die aber nicht nur gefördert, sondern auch geführt werden müssen.“ Ulli Wegner betonte, es gebe endlich wieder so viele gute Boxer, wie vor 20 oder 30 Jahren. Wichtig aber sei, dass es auch mal große Kämpfe geben müsse – am besten in Berlin.

Boxen ist wie Schach spielen

Frank Henkel, einst aktiver Boxer und heute wieder im Boxtraining, betonte, dass der Senat demnächst ein neues Leistungssportkonzept vorlegen will. Darin sollen auch 23 olympische Disziplinen festgeschrieben werden – und Boxen gehöre für ihn unbedingt dazu. „Boxen ist wie Schach spielen“, so sein Credo., „jede Aktion und jede Reaktion muss genau beobachtet werden – aber alles sehr viel schneller als beim Schach.“ Und das mache riesigen Spaß – gerade auch bei den Amateuren. Fran Henkel, Ex- Senator für Inneres und Sport, bedankte sich bei allen Trainern, Betreuern, Übungsleitern und Helfern, die gerade in den kleinen Vereinen und dort, wo Boxen die einzige Sportart eines Vereins sei, sehr gute Arbeit leisten würden. Die Politik dürfe nicht nachlassen, dies weiter zu unterstützen. Die Vorbildwirkung sei bei den Ehrenamtlich tätigen groß – aber auch bei den Sportlern.

Hans-Peter Miesner betonte, dass dies richtig sei. In seinem Spandauer Box-Club 1926 bekomme er täglich Anfragen, wann denn der Anrufer zum Box-Training kommen könne. Und das, obwohl gerade kein Berliner Boxer als Star in den Zeitungen stehe. Die Vorbildfunktion wirke auch beim täglichen Beisammensein. So habe er immer wieder festgestellt, dass Boxen auch gute Sozialarbeit leiste. „Unsere Trainer bringen oft Jugendliche auf den richtigen Weg und unter Anleitung erfolgt gleichzeitig auch ein Abbau eventueller Aggressivität“, erläuterte Miesner. Gleichzeitig betonte er, dass es sicherlich Bezirke gebe, wo das deutlich schwerer sei als in Spandau. „Aber auch in Neukölln und im Wedding gibt es gute Erfolge“, betonte er.

Boxen ist auch Breitensport geworden

Gleichzeitig wies er darauf hin, dass der Boxsport inzwischen auch zum Breitensport geworden sei. Viele über 40jährige hätten erkannt, dass sich das Training auch in diesem Alter lohne und seitdem es auch Wettkämpfe (3x2 Minuten Kampf mit Kopfschutz) in dieser Altersklasse gebe, erlebe Boxen hier einen Aufwärtstrend. Leider sei nicht immer die Hallenkapazität vorhanden, die benötigt werde.

Geld für den Sport wurde nicht aufgestockt

Frank Henkel informierte, dass Verbesserungen oft daran scheitern würden, das Baufirmen momentan ziemlich ausgebucht seien und es kaum Firmen gebe, die sich an Ausschreibungen beteiligen würden. Das gelte nicht nur für den Sport, sondern auch für Polizeireviere, Feuerwehren und Schulen. Gleichzeitig bedauerte er, dass der Senat momentan zwar Geld habe, die Gelder für den Sport aber leider nicht aufgestockt habe.

„Aber der Leistungssport bleibt das Aushängeschild, dies sollten wir nicht vergessen“, so der Appell von Ulli Wegner. Er wies darauf hin, dass Amateursport und Profisport besser zusammenarbeiten müssen, „denn dann können wir gemeinsam Großes vollbringen.“

Dazu gehöre dann auch, dass die TV-Anstalten, die sich seit längerer Zeit nicht mehr für Live-Übertragungen von Boxkämpfen interessierten, wieder einsteigen könnten. Nur so könnten Boxer bekannt werden. Er erinnerte daran, dass er damals für den WM-Kampf von Sven Ottke in Berlin bei Sponsoren betteln gegangen sei, um das Geld dafür zusammenzubekommen. Dies Geld fehle momentan. „Aber Boxen ist populär und wir müssen wieder so weit oben an die internationale Spitze rankommen, dass das so bleibt,“ betonte der Erfolgscoach Wegner.

Wirklich erfolgreich sind die Frauen

Wirklich erfolgreich seien momentan aber die Frauen. Und der Trend zum Frauenboxen halte an. „Da haben wir in Spandau – und sicherlich auch noch anderswo – die Situation zu spät erkannt. Das holen wir jetzt intensiv nach,“ erzählte Hans-Peter Miesner. Und dies geschehe auch auf internationaler Ebene. So sei geplant, nach den Olympischen Spielen in Tokio  die Gewichtsklassen zu verändern und somit Frauen stärker berücksichtigen zu können.

 

 

 

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