Ich flieg auf Tegel

ein Gastbeitrag von Anca Specht

Der Flughafen beliebt offen, zum Glück. Zumindest zunächst. Der Plan des Senates und der Flughafengesellschaft, den letzten Flughafen im Westen der Stadt vorzeitig sang- und klanglos zu schließen, ist gescheitert. Tegel ist eine wichtige Anlaufstelle für Reisende, eine Entlastung für den Flughafen Schönefeld und wäre vermutlich auch ein dringend benötigter Helfer des neuen BER, bei dem man jetzt schon befürchten muss, dass das Fluggastaufkommen nicht bewältigt werden kann.

Was für Tegel spricht? Neben der Geschichte und der Wirtschaftlichkeit vor allem die Erreichbarkeit. Dazu eine kleine private Anekdote:

Ich hatte einen neuen Job und musste für ein wichtiges Treffen morgens nach Bonn fliegen. Abflug von Tegel um 8:00 Uhr. Wecker auf 6:00 Uhr gestellt, sollte reichen. Leider bin ich erst kurz nach sieben wach geworden, weil ich im Halbschlaf statt der Snooze-Taste den Ausschalter betätigt hatte.

Also panisch in die Klamotten geworfen, Tasche gegriffen und ab ins Auto. Eigentlich wollte ich ab Heerstraße mit dem Bus fahren, um die Parkgebühren zu sparen, aber das war jetzt zu knapp. Auf dem Weg am Schloss Charlottenburg vorbei überlegte ich mir, dass ich ja auf der Strecke vor dem Jakob-Kaiser-Platz noch in den Bus 109 zum Flughafen steigen konnte. Also auf dem Tegeler Weg einen Parkplatz gesucht, was wirklich nicht einfach war. Zum Glück war noch eine Lücke frei, kurz vor einer Seitenstraße. Noch schnell geguckt, dass es kein Halteverbot ist, dann zum Bus gerannt, der schon um die Ecke bog. Ich schaffte es tatsächlich, bis 7:25 Uhr am Haupteingang zu sein. Die App hatte mir gesagt, an welches Gate ich musste, das in wenigen Minuten schließen sollte. Ich rannte los und kam dank der Architektur Tegels auch relativ schnell an. Leider war die Info aus der App nicht mehr aktuell, der Flug wurde auch noch zu einem anderen Gate verlegt. Zum Glück sind die in Tegel schnell erreichbar. Also wieder losgerannt von Nummer zu Nummer, an zahlreichen Passagieren vorbei. Um völlig ausgelaugt gerade noch rechtzeitig anzukommen.

Das Bodenpersonal war äußerst freundlich zu mir und auf die Frage, ob sie mich bitte noch reinlassen, weil das Boarding ja schon starten würde, sagten sie: „Kein Problem, durch die Kontrollen sind sie ja schnell durch und können dann gleich einsteigen.“

Und genau so war es auch. Keine fünf Minuten später war meine Tasche geprüft und ich lies mich erschöpft in einen der Stühle fallen. Ich hatte sogar noch Zeit, mir eine Zeitung zu nehmen. Das wäre in Schönefeld nicht gegangen! Und ich kenne keinen anderen Flughafen, bei dem man so kurze Wege zurücklegen muss. Danke Tegel!

Ach ja, das Parken war leider doch nicht so günstig wie erwartet. In der Eile hatte ich übersehen, dass ich auf einer Busspur stand und wurde abgeschleppt. Aber dazu kann der Flughafen ja nichts.

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