Das favorisierte Konzept verhindern

Kleingärtner fürchten um ihre Parzellen nach dem Neubau der Rudlof-Wissell-Brücke

Bestens besucht war die Diskussionsveranstaltung zum Thema „Keine grüne Oase mehr an der Autobahnbrücke?“ mit betroffenen Kleingärtnern. Sie fürchten, dass nach dem Neubau der Rudolf-Wissell-Brücke nur wenige wieder in ihre Idylle zurückkehren dürfen. Andreas Statzkowski hatte zur Runde eingeladen und erfuhr, was die Betroffenen am Entwurf bemängeln.

 

Das Urteil von Michael Matthei, Präsident des Landesverbandes Berlin der Kleingartenfreunde war deutlich: „Hier hat ein Projekt den Zuschlag bekommen, das mehr vernichtet als es gut ist“ urteilte er. Deshalb müsse nicht der Neubau der Rudolf-Wissell-Brücke aber das favorisierte Konzept verhindert werden.

Organisierter Widerstand ist sinnvoll

Matthei berichtete, dass die Voruntersuchungen inzwischen abgeschlossen sind, allerdings sind die Bauanforderungsbeschlüsse noch nicht komplett fertig. Und gerade hier sah er die Chance, doch noch Änderungen herbeizuführen. Beispiel: Der Neubau zweier Brücken – aber mit 60 Meter Abstand. Denn dafür müssen viel mehr Kleingärten weichen, als wenn es bei einer Brücke bliebe. Und gegen den Bau zweier Brücken hat sogar der grüne Baustadtrat Einwände. Er legte Widerspruch bei der für Bau und Planung zuständigen Firma DEGES ein. Matthei betonte: „Grade jetzt kann also organisierter Widerstand sinnvoll sein“ und bezog sich damit auf die Eingaben und Forderungen der Eichkämper, die bereits eine Änderung des Planes zum Umbau des Autobahndreiecks Funkturm für ihren betroffenen Bereich erreicht haben. Wenig Hoffnung machte Matthei den Kleingärtnern in Sachen Lärmschutz. Er wies darauf hin, dass es grundsätzlich keinen Anspruch auf Lärmschutz gebe, da von keiner Übernachtung der Laubenpieper ausgegangen werde. 

Problem Ufer-Rad- und Wanderweg

Peter Wasmund sprach die Probleme der Kolonie Schleusenland an. Sie betreffen unter anderem auch den Ufer-Rad- und Wanderweg, der dort nur etwa 140 – 1,60 breit ist. Im Berliner Radwegekonzept ist allerdings ein Ausbau auf 5 Meter Breite geplant.  Hierzu versprach Matthias Matthei, dass es unter seiner Verantwortung kein Zugeständnis gebe, dass die Kleingärtner etwa 2 Meter ihrer Parzellengröße abgeben sollten, um die geplante Breite des Radweges umsetzen zu können. 

Schlechter Informationsfluss

Matthias Kwapién und André Leidig vom Unterbezirk Westend der Bahn - Landwirtschaft berichteten, dass bei ihnen voraussichtlich insgesamt 108 Kolonien von den Bauvorhaben betroffen wären. Ärgerlich ist aus ihrer Sicht vor allem der schlechte Informationsfluss seitens der zuständigen Behörden: im März 2020 hatte es eine DEGES Veranstaltung gegeben, seitdem gab es jedoch keinerlei neue Informationen. Große Sorge von Herrn Kwapién und Herrn Leidig ist, dass während der Vorbereitung des Bauvorhabens Parzellen abgerissen werden und im Nachhinein festgestellt wird, dass dies so frühzeitig nicht notwendig gewesen wäre. Eine Sorge, welche mit regelmäßigen Updates zum Stand der Dinge entgegengewirkt werden könnte. 

Statt neuer Kleingärten andere Ideen?

Die anschließende Diskussionsrunde brachte weitere Aspekte: So wurde gefragt, ob die plattgemachten Flächen nach dem Neubau der Brücke sicher wieder zu Kleingärten werden? Dazu konnte Andreas Statzkowski nur berichten, dass sich der Senat dazu nicht klar geäußert hat. Allerdings deutete er an, dass der Senat da auch ganz andere Ideen haben könnte.
Auch die spärlich zugesicherten Ersatzflächen sorgten für Ärger, da sie sich oftmals außerhalb oder am anderen Ende von Berlin befinden, was für die in Charlottenburg und Umgebung ansässigen Kleingärtner keine Option ist. Michael Matthei:“ Die langen Wege durch die Stadt sind für Ältere und Kranke nicht zu leisten“.

Andreas Statzkowski:“ Essenziell wäre eine klare Positionierung des Berliner Senats zugunsten der Kleingärtner, um Druck auf die DEGES ausüben zu können. Davon ist bisher wenig bis nichts zu spüren. Da erwarte ich endlich eine klare Stellungnahme und keine ausweichenden Antworten mehr.“

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