Spritzen-Alarm

Die Wilmersdorfer Straße liegt nah an S- und U-Bahnhof, bietet viele Shopping-Möglichkeiten, Restaurants und zum Entspannen finden die Besucher kleine Parks nicht weit entfernt. Doch zwischen Blumen und Blättern entdecken die Spaziergänger auch unschöne Funde: Dutzende benutzte Spritzen liegen in Büschen, unter der Brücke und in den Bahnhöfen.

Über Probleme durch den steigenden Drogenkonsum in Charlottenburg und mögliche Lösungen sprach Carsten Engelmann, Stadtrat für Gesundheit und Soziales, am Dienstag beim Jour Fixe der JU Charlottenburg-Wilmersdorf. Die Drogenszene verlagere sich vom Bahnhof Zoo zur Wilmersdorfer Straße, entlang der "Drogenlinie" U7. Besonders dunkle Ecken suchten sich Drogenabhängige und Dealer zum Verkauf bzw. Konsum aus, so Engelmann. Eine mögliche Lösung wäre eine bessere Beleuchtung um die Bahnhöfe herum. Doch leider zeige sich die Deutsche Bahn, der das Gelände gehört, wenig kooperativ.

Ein Spritzenautomat sorge zumindest dafür, dass Krankheiten wie Hepatitis und HIV nicht durch mehrfachen Nadelgebrauch ansteigen würden, so Engelmann. Wer Drogen konsumieren möchte, kann sich dort zum Einkaufspreis saubere Spritzen besorgen. Ob das Junkies nicht erst anziehe und warum der Bezirk Geld für den Konsum von Drogen bereitstelle, wird nachgehakt. Die Automaten kosteten den Bezirk nichts, beruhigt Engelmann die kritischen Nachfragen der JUler. Und Spritzen gäbe es auch in der Apotheke günstig zu kaufen, insofern sei keine größere Anziehung der Süchtigen gegeben als ohne Automaten. 

Die SPD fordert Stadtrat Carsten Engelmann trotz finanzieller Probleme des Bezirkes auf, einen stationären Drogenkonsumraum in der Nähe der Wilmersdorfer Straße einzurichten. Dieser koste voraussichtlich 400.000 Euro pro Jahr, schätzt Engelmann. Die JUler sind sich einig, dass dies eine Geldverschwendung sei und unterstützen stattdessen die Idee der CDU von mobilen Drogenkonsumbussen, welche mit Geldern des Senates finanziert würden. Dort können Abhängige unter Aufsicht sauber ihre mitgebrachten Drogen konsumieren.

Engelmann, der seit 25 Jahren Politik macht und Vorsitzender des Ortsverbandes City-Kurfürstendamm ist, berichtet außerdem von den finanziellen Problemen des Bezirkes. Es fehle Geld, um Stellen neu zu besetzen und der Mangel an Personal führe zu zeitlichen Verzögerungen, z.B. bei Auslandsbafög-Anträgen.

Den Vorschlag des Innenministeriums aus Sachsen-Anhalt, HIV-Zwangstest einzuführen, lehnte Engelmann als populistisch ab. Der Test betreffe laut dem Sprecher des Innenministeriums Personen, bei denen durch bestimmte Faktoren eine Infektion nicht anzuschließen ist, die also eine besondere Gefahr für das Leben anderer darstellen, z.B. für Rettungssanitäter oder Polizisten, die im Einsatz verletzt werden. Es sei jedoch immer eine richterliche Zustimmung notwendig, wenn die betreffende Person einem Test nicht freiwillig mache.

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